{"id":45,"date":"2002-01-02T15:20:52","date_gmt":"2002-01-02T14:20:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.birnenpalme.de\/wp\/?p=45"},"modified":"2019-03-03T23:22:31","modified_gmt":"2019-03-03T22:22:31","slug":"der-philosoph-der-sieben-meere-eine-collage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.birnenpalme.de\/wp\/?p=45","title":{"rendered":"PHILOSOPH DER SIEBEN MEERE"},"content":{"rendered":"<p>EINE COLLAGE<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben das Kap Guardafui hinter uns gelassen und sind in einen Bereich absoluter Stille eingetreten. Seit achtundvierzig Stunden ist das Meer glatt und wie \u00f6lig, mit Ausnahme der Stellen, wo eine kleine Brise seine Oberfl\u00e4che kr\u00e4uselt oder sie mit einem Netz winziger Runzeln bedeckt, so regelm\u00e4\u00dfig verteilt wie die Maschen eines Gewebes. \u00dcber diesen Spiegel erheben sich die fliegenden Fische, sie gleiten und springen in mehreren Aufschl\u00e4gen weiter wie Schwalben, die das Wasser streifen.&#8220; Wer mag solche Zeilen schreiben, um von einer Seefahrt zu erz\u00e4hlen &#8211; ein Tr\u00e4umer, ein Poet, ein verschrobener Geist? \u00dcber die Reling gebeugt denkt ein hagerer Jesuitenpater \u00fcber die Zukunft nach. Er betrachtet die Fl\u00e4che des Indischen Ozeans. Im Wasser spiegeln sich Fische die den Flug versuchen und ein neues Element erobern. Ihr Kampf ist so alt wie das Leben selbst. Doch wohin f\u00fchrt die Bewegung dieser Natur? Es ist der franz\u00f6sische Philosoph Pierre Teilhard de Chardin, den diese Frage antreibt. Schon als Kind begreift er die eigene Verg\u00e4nglichkeit und ist schockiert, weil seine Locken in einer Kerze verbrennen. Was bleibt von uns \u00fcbrig? So beginnt die Suche nach menschlicher Bestimmung und die Reise eines religi\u00f6sen Vision\u00e4rs. 1905 f\u00e4hrt Teilhard mit dem Postschiff &#8222;Congo&#8220; \u00fcber das Mittelmeer, um eine Stelle als Lehrer f\u00fcr Physik und Chemie in Kairo anzutreten. Noch ist er jung, 24, die Welt fremd und exotisch. &#8222;Besonders interessant ist die vierte Klasse,&#8220; schw\u00e4rmt er seinen Eltern vor, &#8222;sie besteht aus einem Gewimmel von Arabern, die am Bug zusammengepfercht sind, wo sie essen und leben, wie sie es eben verstehen. Abends singen sie gutturale Lieder, die einem Eindruck machen, zumindest wenn man sie zum ersten Mal h\u00f6rt. Alles in allem scheinen das brave Leute zu sein. Einer von ihnen, eine maronitische Riesengestalt mit h\u00fcbschem Gesicht, den ich gestern vollkommen nach t\u00fcrkischer Mode gekleidet gesehen hatte, erschien heute, dem Sonntag zu Ehren, in grauem Anzug und Panamahut. Ich kehre soeben von einer Besichtigung der Maschinen zur\u00fcck: sie sind nicht neu, aber stark, und ich sah so etwas zum erstenmal.&#8220; Nach einem Theologiestudium in England und der Weihe zum Priester studiert Teilhard erneut. Die Erdgeschichte hat es ihm angetan. Seine Doktorarbeit gilt ausgestorbenen S\u00e4ugetieren. Als der erste Weltkrieg die Fronten durch Europa zieht, muss der Jesuitenpater Sanit\u00e4tsdienst leisten. Bei der Schlacht von Verdun leitet er waghalsige Rettungsaktionen im Granathagel. Die Marokkaner im Lazarett nennen ihn &#8222;Sidi Marabut&#8220;, einen Heiligen. Die Todesn\u00e4he wirkt sich pr\u00e4gend auf Teilhard aus. Von nun an besch\u00e4ftigt ihn nichts so sehr wie der Mensch, aus christlicher und wissenschaftlicher Sicht. Aber seine Gedanken sind fortschrittlich und sto\u00dfen auf Widerstand. Evolution\u00e4re Schriften aus seiner Feder sorgen f\u00fcr Aufruhr in der katholischen Kirche, die ihn &#8222;zur Beruhigung&#8220; nach China zwingt. Teilhards Schicksal als rastloser Weltenbummler nimmt seinen Lauf. &#8222;Im Osten mehrere Reihen verschieden weit entfernter, kegelf\u00f6rmiger Berge, dunkelblau und manchmal gekr\u00f6nt von dicken Wetterwolken, die aus Tiefebenen aufsteigen, wo schwerer Dunst \u00fcber endlosem Wald flattert. Die letzten dieser Berge sind dicht mit starken B\u00e4umen bewachsen und fallen j\u00e4h ins Meer ab; sie bilden dort kleine Inseln, deren W\u00e4lder buchst\u00e4blich ins Wasser tauchen. Die tieferliegenden Gebiete enden in kleinen Buchten und sandigem Strand, die umgeben sind von Kokospalmen und manchmal belebt von einem malaiischen Dorf, dessen graue H\u00fctten auf langen Stangen stehen wie Pfahlbauten aus der J\u00fcngeren Steinzeit. Auf dem Meere bewegen sich langsam bemalte Dschunken, ihre kupferfarbenen Segel sind aus waagrechten Streifen gemacht und grob zusammengen\u00e4ht, ihr Bug ist mit zwei gro\u00dfen Augen verziert, um die Teufel des Meeres zu erschrecken.&#8220;, so zeigt sich ihm die K\u00fcste Sumatras, auf der Anreise ins Exil. Trotz des tobenden B\u00fcrgerkrieges in den n\u00f6rdlichen Provinzen Chinas unternimmt der Pater Expeditionen, organisiert Ausgrabungen und ist an der Entdeckung des Pekingmenschen beteiligt. Als Forscher verschafft sich Weltgeltung, sehr zum Leidwesen der Kirche. Nur widerwillig duldet Rom seine wissenschaftlichen Vortr\u00e4ge und solange nicht religi\u00f6se Dogmen in Frage gestellt werden. Teilhard bereist Amerika und Europa. An Bord der &#8222;Angkor&#8220; feiert der Pater seinen 45. Geburtstag. Wieder f\u00fchrt der Weg nach China. Nun aber begleiten pers\u00f6nliche Ver\u00e4nderungen die Reise: &#8222;In diesem Jahr, so scheint es mir, breche ich nicht mit derselben jugendlichen Begeisterung auf wie jene, die mich beseelte, als ich an diesen selben K\u00fcsten vorbeifuhr.&#8220; (&#8230;) Doch im Grunde bin ich mir bewusst, dass ich von demselben hartn\u00e4ckigen Engel oder D\u00e4mon besessen bin, der mir einfl\u00fcstert, dass ich nur ich selbst sein werde, wenn ich versuche, die Erde zu besitzen. (&#8230;) Vorgestern abend sind wir bei Nacht durch die Meerenge von Messina gefahren. Auf beiden Ufern der Meerenge funkelten Lichter, und der Dampfer glitt durch eine vom Duft der bl\u00fchenden Orangeng\u00e4rten geladenen Atmosph\u00e4re. Das war sehr sch\u00f6n, das musste so sein. Doch ich befinde mich in einer eigenartigen Ohnmacht, ganz bestimmte Dinge zu genie\u00dfen und mich daf\u00fcr zu begeistern. Ich stelle fest, dass die `Natur\u00b4 f\u00fcr mich fast tot ist. Fr\u00fcher war ich vernarrt in den Schmuck der Erde. Jetzt, so scheint mir, liebe ich nur mehr das Leben, das in der Tiefe ihres Herzens ist.&#8220; Sein Blick wendet sich vom Ufer ab, weg von einer H\u00fclle. Teilhard sucht immer mehr das Wesen der Natur zu ergr\u00fcnden. Mehr und mehr h\u00f6ren wir den Mystiker sprechen: &#8222;Die Luft und das Meer; eine dichte, lebendige Wasserfl\u00e4che, unter der das Leben pulsiert und gleitet, flie\u00dfend und dicht wie das Element, das es tr\u00e4gt. Staunen vor der Gestalt und dem wunderbaren Flug der M\u00f6we. Wie ist dieses Vogelschiff entstanden? Die schlimmste Schw\u00e4che unseres Geistes ist, die gr\u00f6\u00dften Probleme nicht zu sp\u00fcren, weil sie uns unter den vertrautesten Gestalten entgegentreten. Wie viele M\u00f6wen habe ich gesehen, wie viele Menschen haben M\u00f6wen gesehen, ohne das Geheimnis wahrzunehmen, das mit ihnen schwebt!&#8220; Diesem Denken folgen neue Schriften. Eine davon entsteht auf der &#8222;Pr\u00e4sident Garfield&#8220; zwischen Hawaii und Japan und nennt sich &#8222;L\u00b4Esprit de la Terre&#8220;. Teilhard nennt es bescheiden nur den &#8222;Versuch einer Interpretation der Welt.&#8220; Die Ver\u00f6ffentlichung solcher &#8222;Versuche&#8220; wurde ihm jedoch verboten. Um Geistlicher bleiben zu d\u00fcrfen f\u00fcgt sich der Pater den Repressalien seiner Kirche. Doch auch der Vatikan muss Zugest\u00e4ndnisse machen. Teilhard steht als Asienexperte im Licht der \u00d6ffentlichkeit. 1932 sorgt die Gelbe Kreuzfahrt f\u00fcr Aufsehen. Mit kettengetrieben Fahrzeugen der Firma Citro\u00ebn soll der Landweg vom Mittelmeer zum Gelben Meer erschlossen werden. Pater Teilhard wird als Priester und Geologe angeworben, jenes legend\u00e4re Abenteuer zu betreuen. Die \u00dcberwindung von Himalaya und W\u00fcste Gobi gelingt nur knapp. F\u00fcr die Forscherseele war es ein furchtbares Intermezzo, eine Reklamefahrt, wie er beklagt. Neun Monate vertane Zeit, &#8222;viele Gelegenheiten wurden vers\u00e4umt&#8220;. Sp\u00fcrbar erleichtert klingen dagegen jene Zeilen, die er wenig sp\u00e4ter an Bord der &#8222;Aramis&#8220; schreibt: &#8222;Der Indische Ozean ist glatt wie ein See, Ceylon, Penang, Singapur leuchten in den warmen N\u00e4chten unter ihren Domen von bl\u00fchenden Flammentulpen auf. Nat\u00fcrlich beachte ich zuletzt diese Landschaft fast nicht mehr, aber ich f\u00fchle sie immer intensiver um mich.&#8220; Der entflammte Krieg zwischen Japan und China erschwert die Arbeit in Peking. Die Ausgrabung des Pekingmenschen, die Teilhard vor\u00fcbergehend geleitet hat, geraten ins stocken. Indien und Java werden zum Ziel seiner Forschung. Diesmal tr\u00e4gt ihn die &#8222;S.S.Cathay&#8220; \u00fcber den Indischen Ozean. &#8222;Wir kommen \u00fcbermorgen in Bombay an&#8220;, hei\u00dft es in einer Nachricht an seine Freundin Ida Treat. &#8222;Die Reise ist sehr schnell vergangen ohne weitere Unannehmlichkeiten als ein sehr hei\u00dfes Rotes Meer &#8211; das hei\u00dfeste, das ich je erlebt habe, weil der Wind in dieser Jahreszeit von hinten kam. Und jetzt werden wir in einer frischeren Luft von den letzten St\u00f6\u00dfen des Monsun erfasst.&#8220; Die Expeditionen in Indien und auf Java bringen eine reiche Ausbeute an Fossilien. Mit den beiden Arch\u00e4ologen Helmut de Terra und Ralph von K\u00f6nigswald feiert er eine &#8222;Orgie pr\u00e4historischer Funde&#8220;. Ein Brief von Bord der &#8222;S.S.Tjinegara&#8220; l\u00e4sst seine Begeisterung sp\u00fcren: &#8222;Derzeit schlie\u00dfe ich eine Periode ab, die zu den interessantesten meines Lebens z\u00e4hlen wird. (&#8230;) Alles l\u00e4uft so glatt. Ich trete aus dieser neuen Erfahrung mit der vermehrten \u00dcberzeugung heraus, dass wir nichts Besseres im Leben tun k\u00f6nnen, als die F\u00e4den zu ergreifen und zu verfolgen, die es uns entgegenh\u00e4lt. Schritt um Schritt in Richtung auf etwas, das wir nicht sehen, das aber da vor uns liegt, so gewiss wie die Welt existiert.&#8220; Pater Teilhard versteht es nicht nur, bestimmte &#8222;F\u00e4den&#8220; zu ergreifen, er verkn\u00fcpft sie vor allem zu einem Geflecht internationaler Kontakte. Sein Bestreben ist die Zusammenf\u00fchrung geistig-kultureller Kr\u00e4fte. So trifft er sich mit Paul Claudel oder philosophiert mit Sven Hedin &#8211; immer bem\u00fcht, sein &#8222;Evangelium&#8220; zu erkl\u00e4ren. Im Februar 1937 bringt ihn die &#8222;Empress of Japan&#8220; an die Westk\u00fcste Nordamerikas &#8211; erste Etappe einer Weltumrundung. Von Seattle nimmt Teilhard die Eisenbahn \u00fcber Chicago und erreicht den Pal\u00e4ontologenkongress in Philadelphia. Dort wird ihm die Gregor-Mendel-Medaille verliehen. Er setzt nach Europa \u00fcber, besucht sein Geburtshaus in Sarcenat und schifft sich in Marseille ein. Mit der &#8222;D\u00b4Artagnan&#8220; steuert Teilhard wieder den Ausgangspunkt seiner Reise an. &#8222;Ein prachtvolles Schiff und im Schnitt wenig interessante Leute&#8220;, so beschreibt er den Dampfer nach China. &#8222;Praktisch lebe ich ziemlich f\u00fcr mich, und ich bin auf Seite 22 meines Essays \u00fcber die menschliche Energie. Und es geht mir sehr gut. Paris ist offensichtlich f\u00fcr mich wertlos gewesen, zumindest dieses Mal. Es ist sehr, sehr hei\u00df; und gestern wurde der Himmel zum \u00dcberfluss durch einen feinen Staub aus Arabien verdunkelt. Morgen abend hoffen wir endlich auf die erste Brise des indischen Ozeans.&#8220; In Hongkong herrscht Cholera, vor Japan Sturm, und ihr Zielhafen ist heftig umk\u00e4mpft. Die Reise steht unter keinem guten Stern. Nicht ganz Ironie wird uns die Landung geschildert: &#8222;An der Flusseinfahrt von Shanghai lagen wir vierundzwanzig Stunden fest, der Anblick war fast auch eindrucksvoll: viele Transporter und Kriegsschiffe, Br\u00e4nde und Bombendetonationen in den Vororten von Shanghai, das ist alles. Ein franz\u00f6sischer Kreuzer kam und brachte entf\u00fchrte Passagiere.&#8220; Diese harmlose Art der Berichterstattung ist bezeichnend f\u00fcr Pater Teilhard. Selbst Naturgewalten sind nebens\u00e4chlich und finden erst dann Erw\u00e4hnung, wenn die wichtigen Dinge gesagt sind: &#8222;\u00dcber die Reise ist nichts mehr zu erz\u00e4hlen, au\u00dfer dass wir zwei Tage nach einem Taifun angekommen sind, der achtzehn Dampfer an die K\u00fcste geworfen hatte &#8211; darunter die ber\u00fchmte `Conte Verde\u00b4, einen nicht minder gro\u00dfen japanischen und einen holl\u00e4ndischen Dampfer-, und dass wir selber bei der Ankunft in Kobe einen Taifun erlebten, (&#8230;) in einer Stunde ist das Barometer von 760 auf 732 Millimeter gefallen. Wir mussten einen Tag lang kreuzen, ehe wir in den Hafen einfahren konnten, wo der japanische Seedienst uns wegen der Cholera von Hongkong ohne Wimperzucken mit Methoden empfangen hat, die an das erste Kapitel der `Morticoles\u00b4 von Daudet erinnern.&#8220; Noch im Winter des selben Jahres verl\u00e4sst Teilhard das von Japan besetzte Peking, um mit Helmut de Terra die Ufer des Irawadi zu erforschen. Der Weg nach Burma f\u00fchrt um die Malaiische Halbinsel und in \u00c4quatorsn\u00e4he. An Deck der &#8222;Anhui&#8220; schreibt unser Jesuit nach Frankreich: &#8222;Ich bin so gem\u00fctlich allein an Bord eines kleinen Dampfers, der mit chinesischen Emigranten beladen ist, und befinde mich nun nach drei Monaten wieder auf den blauen Weiten der Meere von Malaia &#8211; selber noch recht \u00fcberrascht, dass ich nicht mehr in Pekings eisigem Klima friere. Nachdem es eine gewisse M\u00fche gekostet hatte, mich in den Eismassen von Tangku einzuschiffen, hatte ich das Gl\u00fcck, in Swatow, das ist vor Hongkong, einen direkten Frachtdampfer zu bekommen.&#8220; Teilhard folgt 1938 dem Ruf an die pal\u00e4ontologische Abteilung des Mus\u00e9um d\u00b4Historie Naturelle, dessen Leitung er annehmen darf. Er scheint wieder sesshaft zu werden. Doch entgegen kirchlicher Warnung, bleibt er jener These treu, wonach Mensch und Affe einen gemeinsamen Vorfahren haben. Die bittere Konsequenz: von einer Exkursion nach China wird er sieben Jahre nicht mehr zur\u00fcckkehren. Rom vereitelt geschickt seine R\u00fcckkehr, denn der zweite Weltkrieg bricht aus. F\u00fcr den Pater beginnt eine Zeit der Depression und Unt\u00e4tigkeit. Unter widrigen Umst\u00e4nden entsteht in Peking Teilhards Hauptwerk, Der Mensch im Kosmos. Darin erkl\u00e4rt er den humanen Geist zur Achse und Spitze kosmischer Entwicklung. Der Sinn unseres Daseins soll nicht mehr das \u00dcberleben an sich sein, welches einer verg\u00e4nglichen Natur ausgeliefert ist, sondern die Vermehrung von Geisteskr\u00e4ften. Teilhard erweitert mit seiner Theorie den Evolutionsbegriff. In einem Endpunkt &#8222;Omega&#8220;, so glaubt er, werde sich die universelle Liebe konzentrieren und als &#8222;Gott&#8220; in Erscheinung treten. Diese Philosophie zerst\u00f6rt endg\u00fcltig das alte Sch\u00f6pferbild. Die Druckerlaubnis f\u00fcr dieses Buch wird ihm verweigert und es findet nur im engsten Freundeskreis Verbreitung. Nach Ende des Weltkrieges kehrt Teilhard aus seiner unfreiwilligen Emigration zur\u00fcck. Die Fahrt f\u00fchrt ihn \u00fcber England, weil Heimkehrer aus aller Welt unterwegs und Schiffspassagen knapp sind. Seinem Bruder Joseph schildert er diese Reise so: &#8222;Die `Strathmore\u00b4 ist eine der sch\u00f6nsten Einheiten der Peninsular Oriental; sie ist aber in einen Transporter umgewandelt (das hei\u00dft die untere Deckh\u00e4lfte), so dass wir ein Soldatenleben f\u00fchren und in H\u00e4ngematten schlafen. Das Leben ist ganz ertr\u00e4glich, die Nahrung einfach und kr\u00e4ftig, aber Arbeit praktisch unm\u00f6glich. Das wird meine erste \u00dcberfahrt sein, die ich ohne Bedauern zu Ende gehen sehe.&#8220; Teilhard kommt gesundheitlich angeschlagen nach Frankreich heim. Der 65-j\u00e4hrige erleidet eine Herzattacke, die weitere Reisepl\u00e4ne durchkreuzt. Neue Schriften entstehen. Die Annahme eines Lehrstuhls in Paris wird von Rom untersagt. Wieder erkrankt der Pater, diesmal an einer Brustfellentz\u00fcndung. 1950 erfolgt seine Ernennung zum Mitglied der franz\u00f6sischen Akademie der Wissenschaften. Dies ist die gr\u00f6\u00dfte Ehrung die Frankreich an seine Wissenschaftler zu vergeben hat. Dagegen bek\u00e4mpft Papst Pius XII. die Popularit\u00e4t seines Paters. Er verf\u00fcgt eine Enzyklika die Teilhards Arbeit einschr\u00e4nkt. Die Humani generis trifft den Jesuiten gezielt und empfindlich. Trotz seiner Herzschw\u00e4che dr\u00e4ngt es ihn wieder ins Gel\u00e4nde und so wagt Teilhard eine Forschungsreise nach S\u00fcdafrika. \u00dcber Argentinien gelangt er nach New York. Die &#8222;Uruguay&#8220; soll der letzte Dampfer sein, von dem er uns schreibt: &#8222;Ein ziemlich kleines Schiff &#8211; unter 15000 Tonnen -, aber sehr seet\u00fcchtig und au\u00dferordentlich komfortabel. Ein Verkehrsschiff und gleichzeitig ein Frachtschiff. Die Passagiere sehr bunt: reiche Chinesen, ein gro\u00dfer Prozentsatz von Afrikaandern, die zum Vergn\u00fcgen oder zur Erholung den round trip Durban-Amerika-Durban machen; Emigranten aus dem Fernen Osten &#8211; ohne die drei Hy\u00e4nen zu z\u00e4hlen, die f\u00fcr den Zoo in Buenos Aires bestimmt sind.(&#8230;) Die zw\u00f6lf Tage der \u00dcberfahrt von Kapstadt nach Buenos Aires waren eint\u00f6nig. Im strengsten Sinne des Wortes nichts in sicht, au\u00dfer einigen Haien und Albatrossen, die in unserem Kielwasser gaukelten.&#8220; Am Ostertag 1955 stirbt Pierre Teilhard de Chardin in New York. Sein Begr\u00e4bnis ist bescheiden. Doch die wenigen Trauerg\u00e4ste sollen nicht dar\u00fcber hinweg t\u00e4uschen, dass der Verstorbene viele Freunde hat. Gegen den Widerstand der katholischen Kirche wird sein Lebenswerk ver\u00f6ffentlicht; etwa 500 Schriften, Essays und B\u00fccher. Sein &#8222;Der Mensch im Kosmos&#8220; erobert in wenigen Monaten die Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EINE COLLAGE &#8222;Wir haben das Kap Guardafui hinter uns gelassen und sind in einen Bereich absoluter Stille eingetreten. Seit achtundvierzig Stunden ist das Meer glatt und wie \u00f6lig, mit Ausnahme der Stellen, wo eine kleine Brise seine Oberfl\u00e4che kr\u00e4uselt oder sie mit einem Netz winziger Runzeln bedeckt, so regelm\u00e4\u00dfig verteilt wie die Maschen eines Gewebes. 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