{"id":54,"date":"1998-12-15T00:48:47","date_gmt":"1998-12-14T23:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.birnenpalme.de\/wp\/?p=54"},"modified":"2022-07-23T17:01:56","modified_gmt":"2022-07-23T16:01:56","slug":"pastorale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.birnenpalme.de\/wp\/?p=54","title":{"rendered":"SINFONIE PASTORALE"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>erwachen heiterer empfindungen<br \/>\nbei der ankunft auf dem lande<\/em><\/strong><\/p>\n<p>dahin muss der schritt mich lenken<br \/>\nzum leichtsinn den mein tun durchdringt<br \/>\nwo melodien sanftmut schenken<br \/>\nund leben wie von selbst gelingt<br \/>\nrundum liegt die welt zu f\u00fc\u00dfen<br \/>\nf\u00fcr jeden der sie wohl genie\u00dft<br \/>\nweil so viele gr\u00fcnde gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nkeine quelle sich verschlie\u00dft<\/p>\n<p>ferne kreise will ich ziehn<br \/>\ndem takt der uhr entsagen<br \/>\nim duft von bl\u00fcten selbst aufbl\u00fchn<br \/>\nerf\u00fcllt ger\u00fcche tragen<\/p>\n<p>ein webend wind weht mir gedanken<br \/>\nvertrautheit spitzt in jedes haar<br \/>\nharmonien mich umranken<br \/>\n\u00fcberschw\u00e4nglich ganz und gar<br \/>\nverf\u00fchrt von kleinen augenblicken<br \/>\ndas reinste fein zu f\u00fchlen<br \/>\nso schl\u00e4gt mein herz in freien st\u00fccken<br \/>\ntr\u00e4gt pulse fort treibt m\u00fchlen<\/p>\n<p>ein zauber wie das korn gedeiht<br \/>\nsatten \u00e4hren schwelgen schwer<br \/>\nhalten sich f\u00fcrs brot bereit<br \/>\ngute erde schenkt es her<\/p>\n<p>an lockend lauen sommertagen<br \/>\nwer will es streng verwehren<br \/>\nsind lust und spiel zu wagen<br \/>\nda fr\u00fcchte frech bet\u00f6ren<br \/>\nso gilt es sinne zu entdecken<br \/>\ndie uns zum lieben eigen<br \/>\neinander darf man kosend necken<br \/>\nund jedes gr\u00fcbchen zeigen<\/p>\n<p>werben f\u00e4rbt das leben bunt<br \/>\nwas fern best\u00e4ubt wird nah geboren<br \/>\nund kunde geht von mund zu mund<br \/>\nsamtweich wie im wein vergoren<\/p>\n<p>bl\u00fctenbausch und s\u00fc\u00dfe d\u00fcfte<br \/>\nmein liederlich gedankenspiel<br \/>\nreimt wiegend lyrisch seichte l\u00fcfte<br \/>\nverliert sich schmiegend im gef\u00fchl<br \/>\nder kuckuck lacht mich daf\u00fcr aus<br \/>\nbedient sich ohne fragen<br \/>\nzieht listig leicht von haus zu haus<br \/>\nund kr\u00fcmmt sich nie beim tragen<\/p>\n<p>er flattert wirr um lose triebe<br \/>\nsein eifern schlie\u00dft auch schwindel ein<br \/>\nkuckucksart und schwache liebe<br \/>\nlassen niemals sesshaft sein<\/p>\n<p>so tanzend ich auch fl\u00fcgge bin<br \/>\nzu drehen des suchers runden<br \/>\nes zieht mich doch zur w\u00e4rme hin<br \/>\nins nest das festgebunden<br \/>\nim einklang w\u00fcnsche ich mein heim<br \/>\nf\u00fcr mich und meinesgleichen<br \/>\nnur wer verdeckte spielchen treibt<br \/>\nsoll sich von hinnen schleichen<\/p>\n<p>ferne kreise will ich ziehn<br \/>\ndem takt der uhr entsagen<br \/>\nim duft von bl\u00fcten selbst aufbl\u00fchn<br \/>\nerf\u00fcllt ger\u00fcche tragen<\/p>\n<p>dahin muss der schritt mich lenken<br \/>\nzum leichtsinn den mein tun durchdringt<br \/>\nwo melodien sanftmut schenken<br \/>\nund leben wie von selbst gelingt<br \/>\nrundum liegt die welt zu f\u00fc\u00dfen<br \/>\nf\u00fcr jeden der sie wohl genie\u00dft<br \/>\nweil so viele gr\u00fcnde gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nkeine quelle sich verschlie\u00dft<\/p>\n<p><strong><em>szene am bach<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u00f6l schillert regenbogenkrumm<br \/>\nm\u00e4andert mit schuppigem fisch<br \/>\nalgen sch\u00e4umen gr\u00fcnlich stumm<br \/>\nes riecht nach einerlei gemisch<\/p>\n<p>treibholz sperrt sich in den kehren<br \/>\nknochenbleich get\u00fcrmt hervor<br \/>\nwie elfenbein wie styropor<br \/>\nein speichenrad verrostet rot<br \/>\nund bisamratten klemmen tot<br \/>\nin fallen faulen g\u00e4ren<\/p>\n<p>der kuckuck lockt noch immer<br \/>\nbl\u00e4ht die gerupfte brust<br \/>\nklingt l\u00e4cherlich und schlimmer<br \/>\nnach allerlei verlust<\/p>\n<p>auf des stromdrahts d\u00fcnner bleibe<br \/>\nruft er vertane zeiten<br \/>\nglaubt laune zu verbreiten<br \/>\nverk\u00fcndet aus dem spannungsfeld<br \/>\nges\u00fcnder sei doch seine welt<br \/>\nflach wie eine scheibe<\/p>\n<p>turbinen pumpen den gewinn<br \/>\nin flaschenpost nur uns zuliebe<br \/>\nzerscherbt der botschaft widersinn<br \/>\nzwischen mancherlei geschiebe<\/p>\n<p>ein herd in das gestr\u00fcpp entleert<br \/>\ndie wachtel br\u00fctet fremd im rohr<br \/>\nsingt mit der nachtigall den chor<br \/>\nvon pechschwarzen gestaden<br \/>\nkanalgestank partikelschwaden<br \/>\nwie preiswert sich gefieder teert<\/p>\n<p>\u00f6l schillert regenbillig krumm<br \/>\nm\u00e4andert mit eitriger fracht<br \/>\nalgensch\u00e4ume treiben stumm<br \/>\nzwei ufer zweierlei verdacht<\/p>\n<p>entbl\u00f6\u00dft bis zu den menschlichkeiten<br \/>\ngesellt zur lust sich der voyeur<br \/>\nverruchten w\u00fcnschen hinterher<br \/>\nein p\u00e4rchen dort mit flinken zungen<br \/>\nliebt sich feucht und eng umschlungen<br \/>\nim schilf der m\u00f6glichkeiten<\/p>\n<p>das tier getier sich einverleibt<br \/>\nbegradigt wird die gier flussab<br \/>\nund was an resten \u00fcbrigtreibt<br \/>\nmacht vielerlei ressourcen knapp<\/p>\n<p>versteckt ein letztes wiesenst\u00fcck<br \/>\nwollte unber\u00fchrt nur stehn<br \/>\nschon spannt man br\u00fccken es zu sehn<br \/>\nzur\u00fcck zur quelle flie\u00dft kein bach<br \/>\nich f\u00fchle dieser str\u00f6mung nach<br \/>\nmein atemzug kehrt nie zur\u00fcck<\/p>\n<p><strong><em>lustiges zusammensein der landleute<\/em><\/strong><\/p>\n<p>budenzauber autoskooter zuckerwatte klebt im bart<br \/>\nund kinder haben narrenfreiheit vom alten narrn bekommen<br \/>\njeder spielt versucht sein gl\u00fcck kauft lose wie benommen<br \/>\nnieten streut man in den wind so l\u00e4ssig lebt sich lebensart<\/p>\n<p>bratwurstduft mit blasmusik im vorbeigehen schnell probiert<br \/>\nsie scherzt und singt er trinkt und trinkt arglos zum stelldichein<br \/>\nverdreht ihr flirten nicht den kopf dann tut es junger wein<br \/>\ndie klarinette patzt daneben doch wen erregt ob sie pariert<\/p>\n<p>es beginnt der gro\u00dfe tanz dampfend stampft ein menschenheer<br \/>\ndie reihen fest and twist again eifrig rauf und runter<br \/>\nder bass vibriert bis ins ged\u00e4rm runde wampen tragen schwer<\/p>\n<p>wer das tanzen nie gelernt palavert \u00fcber kleist und kant<br \/>\nverdauung ma\u00dft sich freigeist an macht schwere zungen munter<br \/>\nein s\u00e4nger singt von griechenwein als habe er die welt erkannt<\/p>\n<p><strong><em>gewitter, sturm<\/em><\/strong><\/p>\n<p>warum girlanden wenn sie rei\u00dfen<br \/>\nwozu wird feinstes glas geblasen<br \/>\nes zerspringt auf unsren reisen<br \/>\nwem die wahrheit vorgelesen<br \/>\naus b\u00fcchern die niemals vergreisen<br \/>\nderweil wir sterben und verwesen<\/p>\n<p>spannung in der luft wir wittern<br \/>\ndes schw\u00fclen tags geballte macht<br \/>\nbl\u00e4tter an den \u00e4sten zittern<br \/>\ndie himmelsglut wird angefacht<\/p>\n<p>kirmesspa\u00df zerrei\u00dft zerbricht<br \/>\ngel\u00e4chter in geschrei<br \/>\nvoran die angst bef\u00fcrchtet welt<br \/>\nzu scherbenhauf entzwei<br \/>\nrasend schnell flieht der verzicht<br \/>\nspringt fort in einem satz<br \/>\nweil prasselnd regen niederf\u00e4llt<br \/>\nauf den verwaisten platz<\/p>\n<p>hast du klug gewelkt meine blume<br \/>\nreife ganz und gar gelebt<br \/>\nunverkennbar deinen duft<br \/>\nerdacht und in den wind ges\u00e4t<\/p>\n<p>wann trifft wo der paukenschlag<br \/>\ngeistesblitze uns zu z\u00fcnden<br \/>\nwenn unmut schl\u00e4ft den lieben tag<br \/>\nhilft ehrgeiz es herauszufinden<br \/>\nwas ein menschenherz zerpocht<br \/>\nnach da und dort gerissen<br \/>\nnenn es seelenruhig gewissen<br \/>\nwie der trotz im innern kocht<br \/>\nsich hingibt tiefsten fluten<br \/>\njede faser zu durchbluten<\/p>\n<p>die spannung l\u00f6st sich und wir wittern<br \/>\ndes sturmes reinigende kraft<br \/>\nmag viel laub am baume zittern<br \/>\ngerader stamm steht gut im saft<\/p>\n<p><strong><em>hirtengesang\/ frohe und dankbare<br \/>\ngef\u00fchle nach dem sturm<\/em><\/strong><\/p>\n<p>am wolkenrand ein streif von r\u00f6te<br \/>\nneugier f\u00fchrt aus dem versteck<br \/>\nhell gestimmt wie nie zuvor<br \/>\nzieht ein lied von ohr zu ohr<br \/>\nheilsam f\u00fcr den einen zweck<br \/>\nl\u00e4sst vergessen schweren\u00f6te<br \/>\nsehnsucht darf nun wieder wagen<br \/>\nden honig dieser welt zu lecken<br \/>\nall die prallen trauben schmecken<br \/>\nund sich an der liebe laben<\/p>\n<p>fesseln gilt es zu loszulassen<br \/>\nstufen muss das streben gehn<br \/>\nganz der nabelschnur entbunden<br \/>\nvon bedr\u00e4ngend g\u00e4ngelrunden<br \/>\nbefreit man sich im handumdrehn<\/p>\n<p>klug zu welken meine blume<br \/>\ndieser sinn zur aussaat ruft<br \/>\nreife ganz und gar zu leben<br \/>\nunverkennbar eignen duft<\/p>\n<p>im fluge muss ich mich beweisen<br \/>\njeder feder anvertraun<br \/>\nohne hasenfu\u00df und flaum<br \/>\nkaum geschl\u00fcpft nicht fromm verspeisen<br \/>\nder lehrer angedauten rest<br \/>\nwas an zweifeln mich umsorgt<br \/>\nnehm ich wie man rat annimmt<br \/>\nzerstreu das kleinliche bestimmt<br \/>\ngeb zur\u00fcck was nur geborgt<br \/>\nspar nicht f\u00fcrs gemachte nest<\/p>\n<p>jung ist der morgen mir gegl\u00fcckt<br \/>\ndas ziel am abend nah zum greifen<br \/>\ntagwerk dahin noch zu leisten<br \/>\nmenschenm\u00f6glich ungeb\u00fcckt<br \/>\nnichts in demut zu verpassen<\/p>\n<p>klug zu welken meine blume<br \/>\ndieser sinn zur ernte ruft<br \/>\nreife ganz und gar zu leben<br \/>\nunverkennbar eignen duft<\/p>\n<p>breite brust sich hebt und dehnet<br \/>\nda die furcht wie weggeblasen<br \/>\njeder gro\u00dfes sich ersehnet<br \/>\ndas gl\u00fcck im st\u00fcck zu fassen<br \/>\nhochzustemmen all die schwere<br \/>\nmit anstand f\u00fcllen w\u00fcstenleere<br \/>\nwir alle m\u00fcssen daran heben<br \/>\n\u00fcberwinden zeit und raum<br \/>\nwider aller erdenbeben<br \/>\nvollenden einen menschheitstraum<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>erwachen heiterer empfindungen bei der ankunft auf dem lande dahin muss der schritt mich lenken zum leichtsinn den mein tun durchdringt wo melodien sanftmut schenken und leben wie von selbst gelingt rundum liegt die welt zu f\u00fc\u00dfen f\u00fcr jeden der sie wohl genie\u00dft weil so viele gr\u00fcnde gr\u00fc\u00dfen keine quelle sich verschlie\u00dft ferne kreise will 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