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SINFONIE PASTORALE

erwachen heiterer empfindungen
bei der ankunft auf dem lande

dahin muss der schritt mich lenken
zum leichtsinn den mein tun durchdringt
wo melodien sanftmut schenken
und leben wie von selbst gelingt
rundum liegt die welt zu füßen
für jeden der sie wohl genießt
weil so viele gründe grüßen
keine quelle sich verschließt

ferne kreise will ich ziehn
dem takt der uhr entsagen
im duft von blüten selbst aufblühn
erfüllt gerüche tragen

ein webend wind weht mir gedanken
vertrautheit spitzt in jedes haar
harmonien mich umranken
überschwänglich ganz und gar
verführt von kleinen augenblicken
das reinste fein zu fühlen
so schlägt mein herz in freien stücken
trägt pulse fort treibt mühlen

ein zauber wie das korn gedeiht
satten ähren schwelgen schwer
halten sich fürs brot bereit
gute erde schenkt es her

an lockend lauen sommertagen
wer will es streng verwehren
sind lust und spiel zu wagen
da früchte frech betören
so gilt es sinne zu entdecken
die uns zum lieben eigen
einander darf man kosend necken
und jedes grübchen zeigen

werben färbt das leben bunt
was fern bestäubt wird nah geboren
und kunde geht von mund zu mund
samtweich wie im wein vergoren

blütenbausch und süße düfte
mein liederlich gedankenspiel
reimt wiegend lyrisch seichte lüfte
verliert sich schmiegend im gefühl
der kuckuck lacht mich dafür aus
bedient sich ohne fragen
zieht listig leicht von haus zu haus
und krümmt sich nie beim tragen

er flattert wirr um lose triebe
sein eifern schließt auch schwindel ein
kuckucksart und schwache liebe
lassen niemals sesshaft sein

so tanzend ich auch flügge bin
zu drehen des suchers runden
es zieht mich doch zur wärme hin
ins nest das festgebunden
im einklang wünsche ich mein heim
für mich und meinesgleichen
nur wer verdeckte spielchen treibt
soll sich von hinnen schleichen

ferne kreise will ich ziehn
dem takt der uhr entsagen
im duft von blüten selbst aufblühn
erfüllt gerüche tragen

dahin muss der schritt mich lenken
zum leichtsinn den mein tun durchdringt
wo melodien sanftmut schenken
und leben wie von selbst gelingt
rundum liegt die welt zu füßen
für jeden der sie wohl genießt
weil so viele gründe grüßen
keine quelle sich verschließt

szene am bach

öl schillert regenbogenkrumm
mäandert mit schuppigem fisch
algen schäumen grünlich stumm
es riecht nach einerlei gemisch

treibholz sperrt sich in den
kehrenknochenbleich getürmt hervor
wie elfenbein wie styropor
ein speichenrad verrostet rot
und bisamratten klemmen tot
in fallen faulen gären

der kuckuck lockt noch immer
bläht die gerupfte brust
klingt lächerlich und schlimmer
nach allerlei verlust

auf des stromdrahts dünner bleibe
ruft er vertane zeiten
glaubt laune zu verbreiten
verkündet aus dem spannungsfeld
gesünder sei doch seine welt
flach wie eine scheibe

turbinen pumpen den gewinn
in flaschenpost nur uns zuliebe
zerscherbt der botschaft widersinn
zwischen mancherlei geschiebe

ein herd in das gestrüpp entleert
die wachtel brütet fremd im rohr
singt mit der nachtigall den chor
von pechschwarzen gestaden
kanalgestank partikelschwaden
wie preiswert sich gefieder teert

öl schillert regenbillig krumm
mäandert mit eitriger fracht
algenschäume treiben stumm
zwei ufer zweierlei verdacht

entblößt bis zu den menschlichkeiten
gesellt zur lust sich der voyeur
verruchten wünschen hinterher
ein pärchen dort mit flinken zungen
liebt sich feucht und eng umschlungen
im schilf der möglichkeiten

das tier getier sich einverleibt
begradigt wird die gier flussab
und was an resten übrigtreibt
macht vielerlei ressourcen knapp

versteckt ein letztes wiesenstück
wollte unberührt nur stehn
schon spannt man brücken es zu sehn
zurück zur quelle fließt kein bach
ich fühle dieser strömung nach
mein atemzug kehrt nie zurück

lustiges zusammensein der landleute

budenzauber autoskooter zuckerwatte klebt im bart
und kinder haben narrenfreiheit vom alten narrn bekommen
jeder spielt versucht sein glück kauft lose wie benommen
nieten streut man in den wind so lässig lebt sich lebensart

bratwurstduft mit blasmusik im vorbeigehen schnell probiert
sie scherzt und singt er trinkt und trinkt arglos zum stelldichein
verdreht ihr flirten nicht den kopf dann tut es junger wein
die klarinette patzt daneben doch wen erregt ob sie pariert

es beginnt der große tanz dampfend stampft ein menschenheer
die reihen fest and twist again eifrig rauf und runter
der bass vibriert bis ins gedärm runde wampen tragen schwer

wer das tanzen nie gelernt palavert über kleist und kant
verdauung maßt sich freigeist an macht schwere zungen munter
ein sänger singt von griechenwein als habe er die welt erkannt

gewitter, sturm

warum girlanden wenn sie reißen
wozu wird feinstes glas geblasen
es zerspringt auf unsren reisen
wem die wahrheit vorgelesen
aus büchern die niemals vergreisen
derweil wir sterben und verwesen

spannung in der luft wir wittern
des schwülen tags geballte macht
blätter an den ästen zittern
die himmelsglut wird angefacht

kirmesspaß zerreißt zerbricht
gelächter in geschrei
voran die angst befürchtet welt
zu scherbenhauf entzwei
rasend schnell flieht der verzicht
springt fort in einem satz
weil prasselnd regen niederfällt
auf den verwaisten platz

hast du klug gewelkt meine blume
reife ganz und gar gelebt
unverkennbar deinen duft
erdacht und in den wind gesät

wann trifft wo der paukenschlag
geistesblitze uns zu zünden
wenn unmut schläft den lieben tag
hilft ehrgeiz es herauszufinden
was ein menschenherz zerpocht
nach da und dort gerissen
nenn es seelenruhig gewissen
wie der trotz im innern kocht
sich hingibt tiefsten fluten
jede faser zu durchbluten

die spannung löst sich und wir wittern
des sturmes reinigende kraft
mag viel laub am baume zittern
gerader stamm steht gut im saft

hirtengesang/ frohe und dankbare
gefühle nach dem sturm

am wolkenrand ein streif von röte
neugier führt aus dem versteck
hell gestimmt wie nie zuvor
zieht ein lied von ohr zu ohr
heilsam für den einen zweck
lässt vergessen schwerenöte
sehnsucht darf nun wieder wagen
den honig dieser welt zu lecken
all die prallen trauben schmecken
und sich an der liebe laben

fesseln gilt es zu loszulassen
stufen muss das streben gehn
ganz der nabelschnur entbunden
von bedrängend gängelrunden
befreit man sich im handumdrehn

klug zu welken meine blume
dieser sinn zur aussaat ruft
reife ganz und gar zu leben
unverkennbar eignen duft

im fluge muss ich mich beweisen
jeder feder anvertraun
ohne hasenfuß und flaum
kaum geschlüpft nicht fromm verspeisen
der lehrer angedauten rest
was an zweifeln mich umsorgt
nehm ich wie man rat annimmt
zerstreu das kleinliche bestimmt
geb zurück was nur geborgt
spar nicht fürs gemachte nest

jung ist der morgen mir geglückt
das ziel am abend nah zum greifen
tagwerk dahin noch zu leisten
menschenmöglich ungebückt
nichts in demut zu verpassen

klug zu welken meine blume
dieser sinn zur ernte ruft
reife ganz und gar zu leben
unverkennbar eignen duft

breite brust sich hebt und dehnet
da die furcht wie weggeblasen
jeder großes sich ersehnet
das glück im stück zu fassen
hochzustemmen all die schwere
mit anstand füllen wüstenleere
wir alle müssen daran heben
überwinden zeit und raum
wider aller erdenbeben
vollenden einen menschheitstraum

Themen: LYRIK bis 2014 / 3 |