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SINFONIE PASTORALE

ERWACHEN HEITERER EMPFINDUNGEN
BEI DER ANKUNFT AUF DEM LANDE

Welt umfängt mich neugeboren,
durchtränkt von Tanz ist jedes Blatt.
Wind berührt, er findet Ohren
– ein stilles Flüstern in sich hat –
und bringt Gespür im Augenblick,
die Sehnsucht zu erfühlen.
Sein Atemzug kehrt nie zurück,
trägt Worte fort, treibt Mühlen.

Immer weite Schritte tun!
Es wärmt, wenn man dem Lärm entsagt,
ohne dabei auszuruhn.
Begeistrung sich nach vorne wagt.

Rundum liegt dies Land zu Füßen,
ich bin es, der wie Gott genießt,
den so helle Wunder grüßen,
dass keine Pore sich verschließt
und Augenlider Takt anschlagen.
In tiefer Brust Erregung schwingt,
durch und durch, kaum zu ertragen,
die Fülle allseits in mich dringt.

Staunen wie das Korn gedeiht:
Satte Ähren schwelgen sehr,
halten sich fürs Brot bereit,
gute Erde schenkt es her.

Liebend endlich Raum entdecken,
füllen mit Bekennerdrang,
Zwängen folgen, die bezwecken,
dass alles zieht an einem Strang
und ein Fluss in tausend Meere
Saatgut treibt, es zu entfalten.
Diese Vielfalt sich vermehre,
Utopien zu gestalten.

Ein Zauber färbt das Leben bunt,
was je bestäubt geht nie verloren.
Mich pflegt der reine Ton gesund,
Kräfte, wie im Wein vergoren.

Sinne trinken Licht und Düfte,
erbaulich atme ich Gefühl,
scheuch den Kuckuck in die Lüfte,
freu mich an dem Federspiel.
Sein frecher Ruf besingt den Geist,
der sich jene Freiheit nimmt:
Erst ausgesetzt, dann kühn und dreist,
Natur mit Fantasie bezwingt.

Einfallsreich, um Gunst und Liebe,
– Menschsein schließt sich darin ein –
dieses innige Getriebe
bestimmt uns immer mehr zu sein.

Ein Netz das eng verbunden macht
bewahrt einander zu verlieren.
Heimat? Dort wo Stirn erwacht,
den Bund als Erster zu probiern.
Hör vereint die Sprachen singen
(Hoffnung zieht den Menschenpflug):
„Welt bestellen, Welt bezwingen!“
Nicht ernten, hieße: Weltbetrug!

Versteht das All, dem Geist gehörend.
Auch Zufall ist ein guter Plan.
Die Schöpfung schöpferisch verzehrend
wird Zukunft künftig aufgetan.

Jeder, jeden Augenblick
ins Herz der Dinge zielen.
Ein Atemzug kehrt nie zurück,
trägt Worte fort, treibt Mühlen.
Welt umfängt mich neugeboren,
durchtränkt von Tanz ist jedes Blatt.
Wind berührt, beflüstert Ohren.
Welch Seele? – die es in sich hat.

SZENE AM BACH

Öl schillert regenbogenkrumm,
mäandert mit schuppigem Fisch.
Algen schäumen grünlich, stumm,
es riecht nach einerlei Gemisch.

Treibholz sperrt sich in den Kehren,
knochenbleich getürmt hervor,
wie Elfenbein, wie Styropor.
Ein Speichenrad verrostet rot
und Bisamratten klemmen tot
in Fallen, faulen, gären.

Der Kuckuck schlägt noch immer
(bläht die gerupfte Brust),
klingt lächerlich und schlimmer,
nach allerlei Verlust.

Auf dem Stromdraht, dünne Bleibe,
ruft er vergessne Zeiten
– glaubt, Laune zu verbreiten.
Verkündet aus dem Spannungsfeld,
gesünder sei die alte Welt,
weil flach, wie eine Scheibe.

Turbinen pumpen den Gewinn
in Flaschenpost. Nur uns zuliebe
zerscherbt der Botschaft Widersinn,
zwischen mancherlei Geschiebe.

Ein Herd in das Gestrüpp entleert.
Die Wachtel brütet fremd im Rohr
Singt mit der Nachtigall den Chor
von pechschwarzen Gestaden,
Kanalgestank, Partikelschwaden.
Wie preiswert sich Gefieder teert!

Öl schillert regenbillig, krumm;
mäandert mit eitriger Fracht.
Algenschäume treiben stumm.
Zwei Ufer, zweierlei Verdacht.

Entblößt bis zu den Menschlichkeiten
gesellt zur Lust sich der Voyeur
– verruchten Wünschen hinterher.
Ein Pärchen dort (mit flinken Zungen),
liebt sich feucht und eng umschlungen
im Schilf der Möglichkeiten.

Das Tier Getier sich einverleibt,
begradigt wird die Gier flussab.
Und was an Resten übrig treibt,
macht vielerlei Ressourcen knapp.

Versteckt, ein letztes Wiesenstück,
wollte unberührt nur stehn.
Schon spannt man Brücken, es zu sehn.
Zurück zur Quelle fließt kein Bach
-ich fühle dieser Strömung nach.
Mein Atemzug kehrt nie zurück!

LUSTIGES ZUSAMMENSEIN DER LANDLEUTE

Budenzauber, Autoskooter, Zuckerwatte klebt im Bart
und Kinder haben Narrenfreiheit vom alten Narrn bekommen.
Jeder spielt, versucht sein Glück, kauft Lose wie benommen.
Nieten streut man in den Wind – so lässlich lebt sich Lebensart.

Bratwurstduft mit Blasmusik im Vorbeigehen schnell probiert.
Sie scherzt und singt, er trinkt und trinkt, arglos zum Stelldichein
(verdreht ihr Flirten nicht den Kopf, dann tut es junger Wein).
Die Klarinette patzt daneben – doch wen erregt, ob sie pariert?

Es beginnt der große Tanz, dampfend stampft ein Menschenheer:
„Die Reihen fest and twist again“, eifrig rauf ´n´ runter
vibriert der Bass bis ins Gedärm. Runde Wampen tragen schwer.

Und wer das Tanzen nie gelernt, palavert über Kleist und Kant.
Verdauung maßt sich Freigeist an, macht schwere Zungen munter.
Ein Sänger singt von Griechenwein, als habe er die Welt erkannt.

GEWITTER, STURM

Warum Girlanden, wenn sie reißen,
wozu wird feinstes Glas geblasen?
Es zerspringt auf unsren Reisen.
Wem die Wahrheit vorgelesen,
aus Büchern, die niemals vergreisen?
Derweil wir sterben und verwesen.

Spannung läd die Luft, wir wittern,
des schwülen Tags verborgne Kraft.
Steht, wenn alte Blätter zittern,
die Wurzel noch und gut im Saft?

Kirmesspaß zerreißt, zerbricht
Gelächter in Geschrei.
Ein Lautsprecher behämmert Welt,
zu Scherbenhauf entzwei.
Die taubgestummte Zuversicht
steht blass an ihrem Platz,
Sorge drückt sie und befällt
mit Zweifeln jenen Satz:

Hast du klug gewelkt, meine Blume,
Reife ganz und gar gelebt,
unverkennbar deinen Duft
erdacht und in den Wind gesät.

Wann trifft wo der Paukenschlag,
Geistesblitze uns zu zünden?
Wenn Unmut schläft den lieben Tag,
hilft Neugier es herauszufinden.
Was ein Menschenherz zerpocht,
her- und hingerissen,
nenn es seelenruhig Gewissen.
Wie der Puls vor Eifer kocht,
sich hingibt neuen Fluten,
jede Faser zu durchbluten.

Spannung löst sich und wir wittern
im Sturm die schöpferische Kraft.
Mag braunes Laub wie ängstlich zittern,
es steht ein guter Stamm im Saft.

HIRTENGESANG/ FROHE UND DANKBARE GEFÜHLE
NACH DEM STURM

Am Wolkensaum ein Streif von Röte,
Erleichtrung führt aus dem Versteck.
Die Freude, frei wie nie zuvor,
duldet nun ein Lied im Ohr,
heilsam und für jeden Zweck.
Zerflossen sind die schweren Nöte,
Begeistrung sich nach vorne wagt.
Wenn Augen neu die Welt erschmecken,
im Künstlichen Natur entdecken,
wird der Vergangenheit entsagt.

Nie vergessen, dennoch lassen,
so sind Wege zu durchwandern,
von der Nabelschnur entbunden,
zu Ufern, die noch nie gefunden,
wo keines gleicht dem andern.

Klug zu welken, meine Blume,
dieser Sinn für immer ruft.
Reife ganz und gar zu leben,
unverkennbar eignen Duft.
Wer fliegen will, muss sich beweisen,
mit jeder Feder anvertraun,
ganz ohne Bausch und weichem Flaum,
schon als Kücken ungern speisen
der Alten angedauten Rest.
Und was an Ängsten noch umsorgt,
nimm es, wie man Rat annimmt.
Zerstreu das Kleinliche bestimmt.
Geb zurück, was nur geborgt,
spar nicht fürs gemachte Nest!

Ein Quantensprung ist uns geglückt
und Segen dann, wenn wir begreifen,
Menschenmöglichstes zu leisten,
zu formen, wo Natur noch drückt.
So sei vermessen, bleib gelassen!

Klug zu welken, meine Blume,
dieser Sinn für immer ruft:
Reife ganz und gar zu leben,
unverkennbar eignen Duft.

Endlos wie das All sich dehnt,
als Staub sind wir hineingeblasen,
doch jeder Großes sich ersehnt,
an Materie gleich zu fassen,
milliardenenfache Schwere.
Da trägt ein Fluss in alle Meere.
Tief hinein durch Raum und Zeit
wird der Zukunft eingeschenkt,
bis zum vollen Rand, so weit.
Unsereins erwacht und denkt!

Themen: LYRIK bis 2014 / 3 |