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ZUM IKARUS

Zapfe Bier, mein Ikarus,
die frommen Wünsche sind zerstreut!
(wer sonst kann Krüge füllen?)
Schwinge dich, befüll erneut!

Du bist der, der wachsam kreist.
Und nie vor Sperrstundzeiten
erlahmt dein schäumend Flügelschlag,
um faul sich auszubreiten.

„Sehnsucht schöpft den Geist gesund,
töpfert uns mit bloßen Händen
einen Krug an aller Mund …“,
schreibe ich auf einen Zettel.
Oder war es nur mein Deckel?

Träumlein, du Versuch des Herzens,
greifst wohl liebend gern zum Krug?
Spring nicht zu tief, bleib meine Flucht.
Die Welt ist zerprungen genug.

Ich heb mich ab ins Unbenannte,
streif an Grenzgestirnen wider,
schmelz dem Nachhauseweg mein Wachs
und lass ihm auch Gefieder.

Denn: „Sehnsucht schöpft den Geist gesund,
töpfert uns mit bloßen Händen
einen Krug an aller Mund.
Und um Menschsein auszukosten,
wünsch ich menschenmale,
die Welt form sich zur Schale.“

Themen: LYRIK bis 2014 / 3 |