Rubrik

Verflixte Texte

SINFONIE PASTORALE

ERWACHEN HEITERER EMPFINDUNGEN BEI DER ANKUNFT AUF DEM LANDE Welt umfängt mich neugeboren, durchtränkt von Tanz ist jedes Blatt. Wind berührt, er findet Ohren – ein stilles Flüstern in sich hat – und bringt Gespür im Augenblick, die Sehnsucht zu erfühlen. Sein Atemzug kehrt nie zurück, trägt Worte fort, treibt Mühlen. Immer weite Schritte tun! […]

LESUNG VOM GEIST GOTTES ZUR BESTEN SENDEZEIT

PROLOG: Kein Gnadenbrot in dieser Wut, dem Fremdling wünscht er Kot und Blut, Kindern Tod und Kindes Kindern Pest am Hals, durch nichts zu lindern. Abart wird zum Elexier, Gottes Stolz zum Grund dafür, dass alles scheußlich meucheln kann. Ein Testament voll Geisteswahn. Nach Birkenau verschleppt sein Wort, nach Auschwitz, Dachau und so fort, bis […]

BALLADE ÜBER DEN SPÜRSINN MEINER NASE

Was sollt besser mich erhalten als das Wirken der Natur und das Hausrezept der Alten? Darauf diesen Eides-Schwur: „Pfui Chemie, pfui Herzschrittgeber! Wozu im Leben Dialyse? Streikt die Niere, schrumpft die Leber, ich zupf Kamille auf der Wiese.“ Homöopathisch ausgedünnt – je dünn und dünner, umso besser! Ob mich so ein Blinddarm krümmt, niemals geh […]

ZWEITER FRÜHLING AM RHEIN

Loreley, längst grau ums Haar, färbt sich eine bunte Strähne, macht es sich – der Busen bar – in einem Liegestuhl bequeme. Ach, es kann nur schräg gelingen, ein solches Lied erneut zu singen. Sie winkt den Schiffern, ruft „Ahoi!“, zeigt ohne jede Reu und Scheu, was ihre Brust noch bieten kann, dem geneigten Steuermann. […]

ZUM IKARUS

Zapfe Bier, mein Ikarus, die frommen Wünsche sind zertreut! (wer sonst kann Krüge füllen?) Schwinge dich, befüll erneut! Du bist der, der wachsam kreist. Und nie vor Sperrstundzeiten erlahmt dein schäumend Flügelschlag, um faul sich auszubreiten. „Sehnsucht schöpft den Geist gesund, töpfert uns mit bloßen Händen einen Krug an aller Mund …“, schreibe ich auf […]

LOBGESANG AN MEINEN GUTEN HUND

Heute will er wieder an die frische Luft, also geh ich mit ihm Gassi, geh spazieren, und ich lasse ihm den freien Lauf, schließlich soll sein Wille auch geschehen. Er hat so hübsche, treuherzige Augen, ein Dackelblick, der mich zu Tränen rührt. Wenn du ihn streichelst, darfst du in den Himmel schauen, er lässt jeden […]

STRECKENGEHERS SCHOTTERGANG

Im Schotter brüchiger Worte ging die Strecke ein schweigsamer Mann, wählte statt festem Schuhwerk den schleppenden Gang. Ich sah ihn und fragte, wohin er so barfüßig marschiert und ob er nicht wüsste, wie leicht man sein Gleichgewicht verliert. Er blickte zurück und nickte, gab leise mir zu verstehen, es könnten auch Sohlen nicht helfen, auf […]

JOSEPH BEUYS, UDO UND ICH

Man steht gespannt vor seinen Werken, dem Raunen gänzlich anzumerken, betroffen schauend, schwer vertieft, wohin die Butter ranzig trieft. Es heißt, die Kunst darf alles sein, auch aus Plastik, Schmalz und Schleim. Die Frage aber stellt sich dann, was mir ein Nachttopf bieten kann. Ist es der Rost von dem Urin, der Löcher frisst, wer […]

FOTOGRAFIERFIEBER

Alle Welt fotografiert die Welt von allen Seiten, in Ausschnitte und Stücke, der Längs und zu den Breiten. Jedes Lächeln hält man fest, zwingt es, doch zu bleiben. Und wenn dir nicht nach Späßen ist, lass es dir wieder zeigen. Das Tanzbein harrt im Sprunge aus, dein Pfeil erstarrt beim Jagen. Der Stillstand wird dir […]

GROTESKE VOM PAPAGEIER

Es folgte mir – weiß nicht wieso – das Klettengier mit Stimme, ab dem Zebrastreif vorm Zoo. Versprach blaue Gewinne! Im Schlepp dies fiese Wesen, das auf dem Vers mir blieb, schlug den Sahnebesen und rief: „Ich süß dich lieb!“ Gefiedert wie ein Papagei, – sein Schnabel flüsterlaut – legte es ein dickes Ei tief […]

DER NEUANKÖMMLING

Setzt nicht über, dieser Fluss schwillt an. Es droht ein Regenguss, der überfällig fallen muss. Ein Ruder dreht dann tonnenschwer, das Floß zu meiden, rät man sehr. Wir würden bleiben, junger Herr! Unsre Brücke trägt Euch nicht, das Strebenholz ist Schwamm und bricht – sogar bei Minimalgewicht. Kein Quartier nehmt hier vor Ort, zu nah […]

VOM ERNST DES ZEIGEFINGERS

Ihr Kinder von der Hinterbank, zieht euch an dem selben Strang, aufgehenkt nach Noten. Ein Erster kann nie Letzter sein, drum findet euch am Weiher ein und springt, die Tiefe auszuloten. Denkt nicht groß, sagt auf genau, den Reim vom Dichter Strehlenau*: „Wer glaubt, gehorcht, des Fragens sich bescheidet, als frommes Kind sein Plätzchen Wiese […]

WELTBEZWINGERSONG

Züge hör ich, Flieger fliehen, in alle Welt zerfranst man sich. Räder rasen heiß nach Süden, der Nordmensch lagert winterlich. Filmer steigern Szenen nach, Taucher gleiten zu den Gründen und hinten auf dem Weltendach sind Bezwinger noch zu finden. Aus allen Wolken fallen Springer, auf die Welt herab zu sehen und jede Wüste – wie […]

KLAGELIED VOM ENDE DER WEISHEIT

Die Axt gewetzt. Mit junger Hand und flinkem Schlag trifft es den Stamm, kerbt ein das Holz. Die Jahresringe splittern, bis der Schnitt getan. So fällt der Alte. Seine Blätter – beschrieben über Jahr und Tag – nehmen mit dem Rauschen ein Geheimnis in ihr Grab. Ein frischer Wind. Der Weisheit Schluss, wo reife Äste […]

SCHICKSALSVERS

Wie kommts, dass alles kommen muss, noch nie ist nichts geschehen. Wer sich vom Lüftlein schwängern lässt, der liegt bald in den Wehen. Ein Gott – so glaubt man liebend gern – will Liebe und will lieben. Er schickt uns Engel auf die Welt? Ich sah noch keinen fliegen! Ich hab mein Schicksal selbst bestimmt […]

GEFUNKEL UNTERM REBENZELT

Der Nacht hellredend lauschen, weil Ohren das Sagen haben, unter Sternen und Reben. Du Schlafliedsänger schweige, du Mondverklärer auch. Erblinde, wer die Welt entfärbt und ferner Liebe Brauch. Du Weinduftkenner schweige, du Sonnenzähler auch. Verstumme, wer den Himmel schwärzt mit seinem Phrasenrauch. Du Allesbeter schweige, du Wunderheuchler auch. Ertaube, wer es brennen hört in einem […]