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KLEINE BALLADE VOM TAFELSALZ

Da liegt es stumm am Frühstückstisch,
Als kleiner Glitzerstein,
Den Wind mit Schwung zu Boden wischt,
Fast ordentlich gemein.
Hat schlapp die Chance knapp verfehlt,
Das Gelb vom Ei zu krönen,
Drum sind die Tage ihm gezählt.
Dem Nichtsnutz keine Tränen!

So faul sein Würzen zu versäumen,
Um Hasardeur zu werden,
Verspielt der Sinne freches Träumen,
Auch mal ein Süppchen zu verderben.
Man fragt sich, was das Salz zerstreute
Und ob es sich nicht schämt,
Weil es die Pflichterfüllung scheute
Zur Gaumenfreude unverbrämt.

Einst Meer und Fels, dann Feinkostware,
Bunt in Pappkarton verstaut,
Ein Jammer die Gewinnungsjahre,
Wenn man zu diesem Winzling schaut.
Ein Seitensprung ist ihm gelungen,
Die Konsequenz, er wir schon sehn:
Darf niemals über Speichelzungen
Den Weg durch Schweiß und Harn nun gehen.

Themen: LYRIK bis 2014 / 2 |